
Training für den Mond: Einblick in die DLR/ESA‑LUNA‑Anlage
Wie bildet man eigentlich den Mond nach?
1972 war das letzte Mal ein Mensch auf dem Mond. Bald soll es wieder so weit sein. Damit die Astronautinnen und Astronauten und auch Mondroboter dafür optimal vorbereitet sind, haben das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Europäische Weltraumorganisation (ESA) gemeinsam die Forschungsanlage LUNA errichtet. Eine Art Mini-Erdtrabant als „naturgetreues“ Trainingsgelände.
Kernstück des Vorzeigeprojekts in Köln ist eine 700 Quadratmeter große, simulierte Mondoberfläche, die es so noch nicht einmal bei der NASA gibt. Sand, Steine und Felsen sind der Mondgeologie nachempfunden, ein Lichtsimulator erzeugt Sonnenverhältnisse wie auf dem rund 400.000 Kilometer entfernten Erdsatelliten. Sonnenstand und Lichtverhältnisse ändern sich im Laufe der Trainingseinheiten somit nur minimal – ein Tag auf dem Mond dauert etwa vier Wochen. Auch die fehlende Atmosphäre ist berücksichtigt: Da das Sonnenlicht nicht gestreut wird und in einem sehr flachen Winkel auf den Begleiter der Erde trifft, wirft es lange Schatten – und die sind extrem dunkel. Verlegt eine Astronautin oder ein Astronaut dort beispielsweise ein Werkzeug, ist es kaum wiederzufinden. Das Arbeiten und die Bewegungsabläufe in diesen Bereichen müssen also gezielt geübt werden.
Die angehenden Monderkunderinnen und -erkunder betreten die rheinische Mondoberfläche in Astronautenanzügen, die auch mit einem ausgeklügelten Seilsystem an der Decke befestigt werden können. Auf diese Weise soll die reduzierte Schwerkraft auf dem Mond realitätsgetreu nachgeahmt werden: Sie beträgt nur ein Sechstel der Gravitation auf der Erde. Noch allerdings handelt es sich bei der Seilapparatur um einen Prototyp, 2026 soll das Seriensystem installiert werden. Doch die vielleicht größte Herausforderung für Mondreisende ist der Sand auf der Oberfläche: Sehr fein und ähnlich klebrig wie Mehl, ist er sehr abrasiv und geradezu zerstörerisch. Denn er kann sich in nahezu jeder Ritze absetzen und die technischen Instrumente beschädigen.
Rheinische Mondoberfläche: Von der Kaffeemaschine im Büro der ESA direkt auf den Mond – in der Trainingsanlage LUNA simulieren Astronautinnen und Astronauten das Leben auf dem Mond.
Sand und Gestein für die Trainingsanlage haben die Entwickler aus aller Welt zusammengetragen, um die Eigenschaften des Mondes möglichst genau nachbilden zu können. Der Sand der hellen Mondzonen stammt aus Norwegen und Grönland, der dunkle, vulkanische Sand kommt aus der Region, die vulkanischen Steine vom Ätna auf Sizilien. Das Gestein, das die Einschlagskrater darstellt, hat den kürzesten Weg zurückgelegt: Es stammt aus dem Nördlinger Ries, dem Stufenland zwischen Schwäbischer und Fränkischer Alb. Vor rund 14,6 Millionen Jahren schlug dort ein Meteorit ein.
Auch für Mondrover, fahrbare Roboter, ist LUNA ein ideales Terrain. In der simulierten Mondlandschaft können Prototypen unter anderem lernen, anhand von Kamerabildern zu entscheiden, welchen Weg sie einschlagen und wie sie sich dabei bewegen sollen. Schwarze (Schatten-)Löcher gilt es dabei tunlichst zu meiden.
Um die Astronautinnen und Astronauten möglichst realitätsgetreu auf die anstehende Mondlandung vorzubereiten, kann zusätzlich ein Forschungsmodul an die Trainingsanlage angeschlossen werden. So werden mehrere Wochen Mondeinsatz simuliert, ohne dass die künftigen Mondforscherinnen und -forscher die Kölner Sonne erblicken.
Info
Text erstmals erschienen im Porsche Engineering Magazin, Ausgabe 1/2025.
Text: Ralf Bielefeldt
Illustration: Julien Pacaud
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